Betzavta – Demokratie in mir und miteinander
Interview mit Frieda Wittenborn
Das forum frauen der Wirkstatt evangelisch bietet in Kooperation mit den Evangelischen Frauen in Deutschland Veranstaltungen zu Betzavta an. Frieda Wittenborn, einer der Referentinnen, erläutert im Interview die Methode Betzavda.
Was ist Betzavta?
Betzavta ist keine Theorie zum Anhören, sondern eine Methode zum Erleben. Es geht um Demokratie im Alltag: Wer entscheidet? Wer wird gehört? Und was machen wir, wenn Interessen kollidieren? Das Besondere: Wir diskutieren nicht nur über Demokratie – wir stecken mittendrin. Man merkt ziemlich schnell: Das hat mit mir zu tun. Und mit meinem Verhalten.
Ende Januar gab es einen Online-Workshop dazu. Worauf durften sich die Teilnehmenden freuen?
Der Termin im Januar war ein Intro zu Betzavta, ein erstes Reinschnuppern. Ein lebendiger, interaktiver Workshop. Kein Frontalvortrag. Stattdessen Übungen, Austausch, Aha-Momente. Es durfte gelacht werden und es war auch anstrengend. Weil man sich selbst begegnet. Und anderen.
Um welche Kompetenzen geht es?
Was in dem Workshop und in der Kürze passiert ist, können wir erst im Nachgang sagen. Bei den mehrtägigen Basisworkshops sind die Effekte deutlich: sich Konflikte anschauen. Spannungen zulassen. Interessen vertreten. Anderen Raum geben. Verstehen, warum Gleichwertigkeit nicht heißt, dass immer alle das Gleiche bekommen. Und probieren, wie solidarische Lösungen noch aussehen können. Das kann man überall gebrauchen: im Ehrenamt, im Team, im Kirchenvorstand, im privaten Umfeld.
Für welche Themen eignet sich Betzavta?
Für alles, wo Menschen zusammen Entscheidungen treffen: Macht, Beteiligung, Gerechtigkeit, Vielfalt, Konflikte. Ob es um knappe Ressourcen geht, um unterschiedliche Werte oder um das Gefühl, nicht gehört zu werden – Betzavta passt erstaunlich oft. Und begünstigt es, dass sichtbar wird, was sonst unter der Oberfläche bleibt.
Der Workshop richtet sich vor allem an Frauen aus dem kirchlichen Bereich. Was bringt das konkret fürs Ehrenamt?
Sehr viel. Viele Frauen erleben Kirche als Ort von Engagement, aber auch von Frust. Betzavta gibt Sprache für das, was da passiert – und Werkzeuge, um Dinge zu verändern. Zum Beispiel Sitzungen anders zu gestalten, Konflikte fairer auszutragen oder sich selbst klarer zu positionieren. Kurz gesagt: mehr Klarheit, mehr Mut, mehr Handlungsspielraum nutzen.
Zum Schluss: Warum sollte ich mich anmelden?
Wenn Du Lust hast, Demokratie nicht nur zu fordern, sondern zu üben. Wenn Du neugierig bist auf Dich selbst und andere. Und wenn Du bereit bist, Dich auf einen Prozess einzulassen, der fordern und Freude machen kann. Dann ist Betzavta genau richtig.
Dr. Andrea König
Referentin #forum frauen
Wirkstatt evangelisch

Frieda Wittenborn ist Anfang 40 und leitet seit dem 1.10.2025 bei EFiD e.V. das Projekt „Förderung intersektional angelegter Geschlechtergerechtigkeit und Diversität in Kirche und Gesellschaft“. In der Vergangenheit hat Frieda ein evangelisches Demokratienetzwerk koordiniert sowie an der Schnittstelle Armut und Geschlecht gearbeitet. In die Arbeit bei EFiD e.V. bringt Frieda Wittenborn unter anderem Know-How aus der Gewaltfreier Kommunikation und der Methode Betzavta (hebräisch für „Miteinander“) ein.
Hinweis: Wer Interesse hat an der Methode und einem weiteren Angebot, kann sich gerne mit dem forum frauen in Verbindung setzen. Es gibt eine Interessent:innenliste für alle, die sich für Betzavta interessieren. Bei ausreichend Interesse könnte es ein weiteres analoges Angebot auch für eine erweiterte Zielgruppe geben. Kooperationsinteressierte können sich ebenfalls gerne melden. Mail an: andrea.koenig@elkb.de
Foto: oben Canva
Foto im Text: Hermann Bredehorst