Ein feste Burg ist unser Gott
100 Jahre CVJM-Burg Wernfels – ein Interview mit dem Burgleiter David Kogge
Mit einem großen Jubiläumswochenende vom 27. bis zum 29. September feiert der CVJM das 100-jährige Jubiläum seiner Burg Wernfels.
Für zettMagazin haben wir mit dem Burgleiter David Kogge über diesen besonderen Ort und seine Bedeutung für den CVJM gesprochen.
Vor hundert Jahren kaufte der Bayerische Evangelische Jungmännerbund, der Vorläufer des heutigen CVJM Bayern, die Burg Wernfels. Welches waren die wichtigsten Meilensteine für die Burg Wernfels seit dem Kauf?
Auf diese Frage kann ich keine einfache Antwort geben. Grundsätzlich war jeder einzelne Mensch, der hier in der Burg im Laufe der letzten 100 Jahre etwas von Gottes Liebe und christlicher Gastlichkeit erfahren hat, ein Meilenstein.
Wenn wir auf die größten Einschnitte schauen, war der Erwerb der Burg und die Rückgabe nach dem Zweiten Weltkrieg ein Wunder. Wesentlich war auch die Entscheidung, in den 70er Jahren, die Burg zu erhalten, auszubauen und als Gästebetrieb erheblich zu professionalisieren.
Zu den großen Wegmarken gehört ebenso die Entwicklung des „KonfiCastle“-Konzepts, dessen 25. Jubiläum wir auch 2025 begehen dürfen. Viele Tausend junge Menschen waren eingeladen, Glauben als persönliche Beziehung zu Jesus Christus zu entdecken – erfahrbar, lebendig und mitten im Alltag.
Zu den baulichen Wegmarken gehören die großen Sanierungen, die den Verband und seine Mitglieder in erheblichem Ausmaß gefordert haben. Durch Gottes Hilfe und die Unterstützung vieler institutioneller und privater Geldgeber konnte auch die letzte große Brandschutz-Sanierung vor 10 Jahren begonnen werden, um unseren Gästen einen sicheren Aufenthalt auch in der Zukunft zu gewährleisten.
Welche Bedeutung hat die Burg Wernfels für den CVJM?
Für unseren Landesverband, den CVJM Bayern, ist die Burg das sichtbare Zeichen und der zentrale Ort geistlichen Lebens und geistlicher Gemeinschaft. Ungefähr ein Viertel der etwa 50.000 Übernachtungen jedes Jahr findet bei CVJM-eigenen oder -nahen Veranstaltungen statt. Ohne einen Ort dieser Qualität, Kapazität und Strahlkraft würde dem Verein ein sehr wichtiger Baustein der inhaltlichen Arbeit fehlen.
Für den CVJM in Deutschland ist es eines der wichtigen Zentren christlicher Jugendarbeit und – gemessen an Gäste- und Übernachtungszahlen – der größte Einzelbetrieb unter den CVJM-Gästehäusern.
Aber auch im Bereich des internationalen YMCA spielt die Burg eine wichtige Rolle. Immerhin ist sie – wie wir ab und zu humorvoll sagen – weltweit die einzige Festungsanlage des YMCA.
Teil des Auftrages der Burg ist der Jugendherbergsbetrieb als Partner des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH). In dieser Funktion ist die Burg ein außerschulischer Bildungsort für Schülerinnen und Schüler, an dem niedrigschwellig auch eine Berührung mit christlichen Werten stattfindet. Im ökumenischen Raum ist sie ein Ort für Gemeindefreizeiten aller Denominationen und vieler Freikirchen.
Wie gestaltet sich ein ganz normaler Tag auf der Burg Wernfels? Was hat sich im Laufe der Geschichte verändert?
Am Morgen beginnt der Tag seit 100 Jahren mit der Vorbereitung des Frühstücks. Ab acht Uhr strömen dann die Gäste in unsere Speiseräume. Wie seit Jahrzehnten prägen die Mahlzeiten den Tag für die Mitarbeitenden und die Gäste.
An einem Anreisetag fahren die Busse den Dorfplatz in der Ortsmitte an und entladen fröhliche Kinder, die den letzten Abschnitt zu Fuß den Berg hinaufgehen. Früher mit Rucksäcken, heute mit Rollkoffern, die man dann weithin hören kann. Ein Geräusch, das bei der Burgmannschaft und manchem Dorfbewohner jede Woche mehrmals ein Lächeln auslöst.
Mittags und Abends wiederholt sich das Schauspiel. Hunderte hungrige Kinder stürmen freudig die Buffets und nach kurzer Zeit stürmen sie ebenso glücklich, aber gesättigt neuen Abenteuern entgegen.
Einige Dinge haben sich natürlich schon verändert:
Hingen früher noch Wäscheleinen zwischen den Häusern an der Burg, auf denen die Bettwäsche getrocknet wurde, bekommen wir die Wäsche heute bereits gewaschen und getrocknet angeliefert. Heute verfügen die meisten Zimmer über Dusche und WC, die großen Waschräume sind Vergangenheit. Standen die Kinder früher am Münztelefon an, um ihren Eltern ein Lebenszeichen zu senden, ist heute die Handyausgabe der Lehrer einer der Höhepunkte des Tages.
Ebenso wie in der Vergangenheit schreiben die Kinder heute Postkarten und füllen damit unseren Briefkasten.
Wenn Mauern sprechen könnten, hätte die Burg Wernfels viel zu erzählen. Was wären für Sie drei Höhepunkte, die ganz besonders in Ihrer Erinnerung geblieben sind?
Ich selbst bin erst seit sechs Jahren der Letzte in einer 750-jährigen Reihe von Burgverwaltern. Daher kann ich aus erster Hand nur über einen recht kurzen Zeitraum berichten. In meine Dienstzeit fiel die Coronapandemie, deren negative Auswirkungen für Beherbergungsbetriebe ganze Bücher füllen könnten. Ich möchte aus jener Zeit aber besonders in Erinnerung halten, mit welcher Freude wir die ersten Familien wieder auf der Burg willkommen heißen durften, die Tränen in den Augen der Eltern, die endlich der Enge zuhause entfliehen konnten. Die Großzügigkeit mit der der Staat und unsere vielen Freunde im Land die Burg finanziell gerettet haben. Die Treue, in der unsere Mitarbeitenden alle nach der Pandemie – trotz Kurzarbeit – wieder zum Dienst angetreten sind. Die Liebe, mit der unser Verband auch in dieser schweren Zeit an unserem Haus und seinem Auftrag festgehalten hat.
Sicher könnten meine Vorgänger aus ihren Zeiten ähnliche Erfahrungen beisteuern.
Grundsätzlich ist die Geschichte der Burg aber eine Geschichte der wunderbaren Bewahrung. „Ein feste Burg ist unser Gott“, gilt auch hier. Während in den Wirren der Kriege des Mittelalters und der Neuzeit der größte Teil der vielen Burgen in unserer Region verwüstet wurden, hat Gott unsere Veste Wernfels vor allem bewahrt.
Und selbst in der übelsten Zeit des 20. Jahrhunderts konnten die Mauern unserer Burg noch für einige Jahre Schutz und Erholung für Kinder und Jugendliche bei kirchlichen Freizeiten bieten, teilweise unter erheblichen persönlichen Risiken der Verantwortlichen Mitarbeitenden. Hier spielte auch unser Geheimgang eine rühmliche Nebenrolle.
Welche Geschichten sollen die Mauern in 50 Jahren erzählen können? Was wünschen Sie der Burg?
Ich wünsche der Burg Wernfels und besonders unserem Verband und allen CVJM, dass deren Segensgeschichte weitergeht. Dabei bin ich zuversichtlich, dass die Burg auch die Stürme und Herausforderungen der nächsten fünf Jahrzehnte überdauern wird und vielen Menschen Schutz und ein Zuhause auf Zeit bieten kann.
Herzlichen Dank für das Interview.
Ute Markel
Online-Redakteurin
Bildnachweise: CVJM Bayern






