Gelebte Zivilcourage im digitalen Raum
Interview mit Victoria Altschäffel zur Aktion „Love-Storm“ der Evangelischen Jugend in Bayern
Im Rahmen der ELKB-Kampagne „Unser starkes Kreuz für Demokratie“ wird auch die Evangelische Jugend in Bayern aktiv. Sie ruft zu einem Love-Storm auf, einer Aktion in den sozialen Netzwerken, um ein positives Zeichen für die Demokratie im Kommunalwahlkampf 2026 zu setzen. zettMagazin hat Victoria Altschäffel, Referentin für Jugendpolitik, dazu befragt.
Wenn Du den Love-Storm in einem Satz beschreiben müsstest: Was ist er für Dich?
Er ist aktive/gelebte Zivilcourage im digitalen Raum.
Welche Erfahrungen oder Beobachtungen haben Euch dazu gebracht, dieses Projekt zu starten?
Wahlkampf findet schon lange auch im Digitalen statt. Hier entsteht Meinung, sie wird geteilt und diskutiert. Leider bietet das Internet aber auch so viel Anonymität, dass der Umgang miteinander in den letzten Jahren immer rauer geworden ist. Es wird schnell persönlich, und immer weniger sachlich diskutiert. Einen Kommentar schreiben geht natürlich auch viel schneller, als sich in lange Schriftdiskussionen zu verwickeln.
Was unterscheidet den Love-Storm von klassischen Kampagnen gegen Hate Speech?
Der Fokus liegt nicht darauf zu erklären, was Hate Speech ist, warum dies schlecht ist oder einfach Fakten zu vermitteln. Natürlich bekommen die Aktiven Infos, Tipps & Tricks von uns, aber der Fokus liegt auf dem Tun. Wir werden aktiv, die Aktion wird sichtbar im Netz. Es geht von der Theorie ins praktische Handeln.
Warum ist es wichtig, dass junge Menschen sich aktiv gegen Hass im Netz stellen?
95% der jungen Menschen besitzen Smartphones und Hate Speech ist leider schon ein Teil ihres digitalen Alltages geworden. Das heißt, zum einen finde ich es wichtig zu lernen, dass Zivilcourage nicht nur in der realen/analogen Welt wichtig ist.
Zum anderen gibt es auch immer wieder „Vorwürfe“, die junge Generation sei nicht mehr politisch interessiert, was überhaupt nicht stimmt und gerade im Eintreten für Werte und für Andere sichtbar ist.
Welche Rolle spielt christliche Haltung bei dieser Form digitaler Zivilcourage?
Als Evangelische Jugend vertreten wir bestimmte Werte: Es geht um Nächstenliebe, um Respekt und einen würdevollen Umgang allen Menschen gegenüber. Wenn wir diese Haltung konsequent leben wollen, heißt das, dass wir uns für einen respektvollen Umgang miteinander einsetzen. Und wir leben nun mal in einer immer digitaleren Welt. Von daher bin ich der Meinung, dass mittlerweile auch dort ein Auftrag zur Zivilcourage besteht.
Wie soll sich der Love-Storm in den kommenden Monaten weiterentwickeln?
Wir hoffen, dass wir möglichst viele Menschen motivieren können, sich der Aktion anzuschließen, sodass viele positive Kommentare und Unterstützung für demokratisch Kandidierende entstehen. Und vielleicht inspirieren wir ja die eine oder den anderen auch unabhängig vom Lovestorm und darüber hinaus zur digitalen Zivilcourage.
Was wäre für Euch ein Erfolg, wenn Ihr in einem Jahr auf die Aktion zurückschaut?
Wenn es junge Menschen gibt, die sagen, sie haben Mut gefasst selber aktiv zu werden oder für ihren eigenen Alltag Handlungsideen haben, wenn ihnen Hatespeech begegnet. Und natürlich, wenn Kandidierende sagen, dass sie bei dem einen oder anderen Post tatsächliche Unterstützung erfahren haben und dadurch empowered wurden.
Vielen Dank für das Gespräch. Wir wünschen der Aktion viel Erfolg.
Demokratie in ihrer Vielfalt
Die Evangelische Jugend Erlangen hat sich mit dem Thema „Demokratie in seiner Vielfalt“ auseinandergesetzt und mit einem vielfältigen Angebot gezeigt, wie Demokratie funktioniert und was wir tun können, damit sie geschützt wird. Mehr dazu Demokratie in ihrer Vielfalt – zettMagazin
Grafik oben: erstellt mit KI