Handeln aus der Hoffnung

Ein Interview mit Philipp Feichtenbeiner, Vorstand Wirtschaft der Diakonie Bayern

Junge Menschen übernehmen gesellschaftliche Verantwortung. Wie unterstützt Kirche und Diakonie dieses Engagement? Im Gespräch mit Patrick Wolf, Referent für Kommunikation der Evang. Jugend in Bayern spricht Philipp Feichtenbeiner über den Blick der Diakonie Bayern auf die Erfahrungen mit jungen Menschen, die sich für Geflüchtete, soziale Gerechtigkeit oder Klimafragen einsetzen.

 

Was bedeutet für Sie „Handeln aus der Hoffnung“?

„Handeln aus der Hoffnung“ heißt für mich, dass wir nicht nur reagieren — also helfen, wenn Not sichtbar vor uns liegt. Es bedeutet, dass wir mit dem festen Glauben handeln und aktiv werden, dass Veränderung möglich ist. Zu der individuellen Hilfe der Diakonie kommt also der Wunsch nach Gerechtigkeit, nach Gemeinschaft als Ziele, die dann wahr werden, wenn wir diakonisch handeln. Hoffnung hat für mich damit immer einen Aspekt, der über die jeweilige Situation hinausweist.

 

Welche Erfahrungen machen Sie mit jungen Menschen, die sich für die Gesellschaft engagieren — z. B. für Geflüchtete, soziale Gerechtigkeit und Klimafragen?

Aus der Perspektive von Kirche und Diakonie herrscht mittlerweile eine wachsende Bereitschaft — vor allem unter jungen Menschen — sich einzubringen, Verantwortung zu übernehmen und praktisch zu helfen. Viele engagieren sich freiwillig, etwa bei Projekten für Geflüchtete. Es sind deutschlandweit viele, viele Freiwillige, die in Einrichtungen, Initiativen oder Willkommensprojekten tätig sind. Dabei erleben wir häufig, dass dieses Engagement nicht nur eine kurzfristige Hilfe darstellt, sondern echte Beziehungen, Verständnis und Gemeinschaft entstehen: Geflüchtete lernen Menschen kennen, die zuhören, unterstützen — und junge Engagierte merken, was sie bewegen können. Zudem entsteht ein Bewusstsein für soziale Ungerechtigkeiten, Integration und Teilhabe, das über das Helfen „im Kleinen“ hinausgeht.

Außerdem zeigt sich, dass viele junge Menschen ihr Engagement mit Überzeugungen verbinden — ethisch, theologischen oder humanistischen Motivationen — und dass Kirche bzw. kirchliche Strukturen für einige einen Rahmen bieten, um dieses Engagement sinnvoll und begleitet auszuleben.

 

Was braucht es aus Ihrer Sicht, um dieses Engagement weiter zu ermöglichen oder zu fördern?

Damit Engagement nachhaltig bleibt und junge Menschen nicht ausbrennen oder frustriert aufhören, braucht es zunächst gute Strukturen: Beratungs- und Koordinierungsstellen, professionelle Unterstützung — gerade wenn es um komplexe Themen wie Flucht, Integration oder soziale Ungerechtigkeit geht. Wir wissen, dass Engagement dort gut aufgehoben ist, wo Hilfsangebote und Bedarfe systematisch abgeglichen werden. Zweitens: Anerkennung und Wertschätzung. Wenn junge Menschen erleben, dass ihr Aufwand, ihre Zeit, ihre Ideen ernst genommen werden — sei es durch Kirche, Gesellschaft oder Politik — steigt die Motivation. Kirche und Wohlfahrtsverbände können hier durch Fortbildung, Begleitung und öffentliche Wertschätzung noch viel bewirken. Drittens: Ein solidarisches, inklusives Grundverständnis — eine Haltung in Gesellschaft und Kirche, die sagt: „Jeder Mensch zählt, und Vielfalt ist keine Bedrohung, sondern eine Bereicherung.“ Gerade angesichts globaler Herausforderungen wie Flucht, Migration, Klimawandel oder sozialer Ungleichheit braucht es ein gemeinsames Bewusstsein, dass Engagement keine Ausnahme-, sondern eine Normalität sein sollte.

 

Vielen Dank für das Interview.

Philipp Feichtenbeiner ist als Vorstand Wirtschaft der Diakonie Bayern für die Bereiche Finanzen und Recht sowie Freiwilligendienste zuständig.

Foto oben: Evang. Jugend überreicht Friedenskraniche im Bayerischen Landtag. EJB – Patrick Wolf
Portraitfoto: Diakonie Bayern