Jugend im Fokus

Die EU plant 2022 „Jahr der Jugend“ – wie sehen das die Jugendlichen?

In diesem Jahr will die Europäische Union eine Reihe von Aktivitäten mit den Mitgliedsstaaten, den Jugendorganisationen und jungen Menschen selbst koordinieren. Erklärte Ziele sind die Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit mit hochwertigen Bildungsmöglichkeiten und Arbeitsplätzen. Junge Menschen sollen mit ihren Meinungen und Ideen stärker einbezogen werden.

Sechs Jugendliche, die sich in der Evangelischen Jugend Nürnberg (Region Ost) ehrenamtlich engagieren, haben in Gesprächen unterschiedlich auf diese Nachricht reagiert. Positiv bewerten sie, dass endlich gegengesteuert wird angesichts der schwerwiegenden Einschränkungen, die Jugendliche vor allem durch die Pandemie erfahren müssen. Enttäuschend für sie ist, dass dieser Schritt erst jetzt kommt. Deswegen halten sich ihre Erwartungen in Grenzen.

Die Jugendlichen sind skeptisch

Ob sie oder ihre Jugendvertreter:innen nun mehr in politische Entscheidungen eingebunden werden, da sind die Jugendlichen eher skeptisch. Wünschenswert wäre es schon. Vor allem ihre Ideen und Bedenken sollen endlich ernstgenommen und Entscheidungen mit Rücksicht auf ihre besondere Lebensphase getroffen werden.

Bildung ist ein zentrales Thema

Im Jahr der Jugend steht erstmal eines im Fokus: Welche Herausforderungen haben Jugendliche in ihrem Leben und wie kann man sie dabei unterstützen?

Bildung ist ein zentrales Thema. Allerdings teilt sich diese in schulische und außerschulische Bildung auf. Letztere dient zu großen Teilen der Identitätsfindung. Die befragten Jugendlichen geben jedoch an, dass hierfür leider zu wenig Zeit bleibt.

 

Man ist in diesem Schulalltag so gefangen, da ist nur wenig Platz für diese Selbstfindung.

 

Für die 17-jährige Hanna ist zum Beispiel der Leistungsdruck so enorm. Sie sagt: „Als junger Mensch ist man in einer Phase, in der man sich selbst finden muss. Aber man ist in diesem Schulalltag so gefangen, da ist nur wenig Platz für diese Selbstfindung. Unabhängig davon, was gelernt wird, der Druck ist voll intensiv.“

 

Dinge des Alltags

Bei den Gesprächen mit den Jugendlichen taucht immer wieder der Wunsch nach Unterstützung bei Dingen des Alltags auf: Wie bohre ich geschickt ein Loch in die Wand oder wasche ich richtig Wäsche? Mit dem Einstieg ins Berufsleben kommen dann noch Fragen zu Kontoeröffnung, Steuererklärung und Versicherungen hinzu.

Je älter die Jugendlichen werden, desto mehr Selbstverantwortung müssen sie in unserer Gesellschaft übernehmen. Leider lernen sie in der Schule – so geben sie es selbst an – nur wenig darüber. Hier wünschen sich die Jugendlichen einen generationenübergreifenden Austausch von Wissen und Sichtweisen, der in christlichen Gemeinden stattfinden kann. Nicht jede:r Jugendliche hat in der Familie jemanden, der bei diesen Dingen unterstützen kann. Sie wollen gerne zuhören und lernen. Im Jahr der Jugend kann man sich hier eine Scheibe von ihnen abschneiden.

 

Foto: Weber

 

 

 

Bob Saeger
Jugendreferent in Nürnberg, Region Ost

 

 

 

Foto oben: istock/Valeriy G

 

Die Europäische Union rückt 2022 die Jugend in den Fokus.