Internationale Jugendarbeit überlässt das Aufeinander-Zugehen nicht dem Zufall.

Jugendarbeit – für alle, mit allen!

Die Gesellschaft in Bayern ist vielfältig, sei es auf dem Land oder in der Stadt, seien es Kinder und Jugendliche oder Erwachsene.

 

Betrachtet man die Jugendarbeit, wie Jugendringe, Vereine und Verbände, wird diese Vielfalt allerdings nicht so deutlich: Eingewanderte junge Menschen oder neu zugewanderte tauchen in den regulären Angeboten nicht immer auf. Sie sind nur selten Mitglied in einem Verband oder Verein, stattdessen organisieren sie sich lieber in eigenständigen und selbstbestimmten Jugendgruppen. Nur wenige sind ehrenamtlich in unseren Vorständen oder hauptberuflich in Jugendringen beschäftigt.

 

Die Gründe dafür sind vielfältig: Die Angebote sind nicht bekannt, es findet keine gezielte Ansprache statt oder die Strukturen sind nicht zugänglich gestaltet. Somit wird ein großer Teil der jungen Bevölkerung von Entscheidungsprozessen ausgeschlossen, Mitgestaltung und Mitbestimmung bleiben ihnen verwehrt.

 

Wie divers ist Jugendarbeit?

Es liegt an den Vereinen und Verbänden, selbstkritisch zu fragen: Wie divers sind unsere Mitglieder, Ehrenamtlichen und Mitarbeitenden? Sind Jugendliche of Colour in Vorständen vertreten? Gibt es Mitarbeitende mit Fluchtbiografien? Werden Diskriminierungs- und Rassismus­erfahrungen von Jugendlichen ernst genommen? Und: Sind die Jugendringe und Verbände bereit, sich selbst und ihre Rolle rassismuskritisch zu hinterfragen?

 

Die Fachstellen Jugendarbeit in der Migrationsgesellschaft stellen sich diesen Fragen und nehmen die Jugendarbeit hinsichtlich ihrer Diversitätsorientierung und Antidiskriminierungs-Ansätze genau unter die Lupe. Wichtige Aufgaben sind dabei die Beratung der Jugendringe und Verbände sowie Fortbildungen, Fachtage und Workshops rund um die Themen Vielfalt, Migration und Flucht.

Diversität soll auch für die Jugendarbeit selbstverständlich sein.

Das bedeutet, dass gesellschaftliche Vielfalt anerkannt, Rassismus benannt, Partizipation sowie sichere Räume für alle Jugendlichen ermöglicht werden. Diversität als Konzept begreift menschliche Vielfalt als positives Potenzial und versucht, Vielfalt wertzuschätzen und bewusst zu fördern. Das Konzept unterscheidet verschiedene Dimensionen, wie Geschlecht, sexuelle Orientierung, Alter, Behinderung, Religion bzw. Weltanschauung, Herkunft/Ethnizität oder auch sozialen Status und Bildung. Entlang dieser Kategorien kommt es zu einer ungleichen Verteilung von Ressourcen, zu sozialen Ausschlüssen sowie strukturellen Benachteiligungen und Diskriminierungen. Die Gesellschaft ist eben nicht nur vielfältig, sondern auch ungleich. Es gehört zu den Aufgaben der Jugendarbeit, sich dieser Ungleichheiten bewusst zu sein und auf die Bedarfe von Jugendlichen einzugehen.

Jugendliche sind alltäglichen Rassismus- und Diskriminierungserfahrungen ausgesetzt.

Wir dürfen nicht vergessen: Viele Jugendliche sind alltäglichen Rassismus- und Diskriminierungserfahrungen ausgesetzt. In den vergangenen Jahren hat vor allem die #BlackLivesMatter-Bewegung gezeigt, dass Rassismus zum Alltag vieler Menschen in Deutschland gehört. Tausende Menschen – darunter viele Jugendliche – gingen auf die Straße, um ihrer Unzufriedenheit und Wut endlich Raum zu geben und in die Öffentlichkeit zu tragen.

 

Zahlreiche selbstorganisierte Gruppen entstanden. Darunter die bundesweit agierende Black Community Foundation oder auch lokale Initiativen, wie die OpenAfroAux mit ihrem Wirkungskreis Augsburg. Sie haben z.B. die Demonstrationen zu strukturellem Rassismus auf die Beine gestellt. Mit ihrem Engagement zeigen sie Missstände auf, benennen Rassismen und fordern dazu auf, eigene Vorurteile und die eigene Positionierung zu hinterfragen. Es liegt nun an der Jugendarbeit, diesen Ansatz aufzugreifen.
Die Jugendarbeit hat das Potenzial, Rassismuskritik zu etablieren und eine selbstkritische Perspektive einzunehmen. Damit kann sie mitgestalten an einer vielfältigen Gesellschaft, in der alle jungen Menschen mitwirken und mitgestalten können.

 

Marina Mayr
Referentin für Migration und Diversität, Bezirksjugendring Schwaben