Künstliche Intelligenz und ihre Auswirkungen

Ein Interview mit Sebastian Heilmann

 

Die Landeskonferenz 2026 tagt zum Thema „#BlessedByAI? Evangelische Jugendarbeit und KI“. Im Gespräch mit zettMagazin spricht Sebastian Heilmann, Referent für Konzeption und Innovation in der Jugendarbeit, über die Bedeutung von KI für junge Menschen sowie für die Jugendarbeit und warum es sich lohnt, an der Konferenz teilzunehmen.

 

Künstliche Intelligenz in der Jugendarbeit – welchen Einfluss hat die KI auf die Jugendarbeit?

Den größten überhaupt. Sie beeinflusst massiv die Lebenswelt junger Menschen. Es gibt, glaube ich, wenig technische Errungenschaften der letzten Jahre, die so einen direkten Impact haben auf die Lebenswelt, wie die Entwicklung der künstlichen Intelligenz: Sie verändert die Art, wie sich Kinder und Jugendliche Zugang zu Informationen holen und diese verarbeiten, wie junge Menschen Schularbeiten oder Hausaufgaben erledigen und wie sie lernen können. KI verändert die Art und Weise, wie wir arbeiten. Das Internet wird geflutet mit KI-Inhalten. Dadurch wird es immer schwieriger zu erkennen, was echte Nachrichten sind, was manipuliert ist.

All dies betrifft junge Menschen und damit automatisch auch die Jugendarbeit. An diesem Thema kommen wir nicht vorbei – ganz egal, wie technikaffin wir sind oder nicht.

 

Blessed by  KI – Fluch oder Segen? Chance und Risiko? Wie werden die Teilnehmenden an der Landeskonferenz in dieses komplexe, facettenreiche Thema, so wie du es beschrieben hast, hineingenommen?

Das ist die Gretchenfrage – Fluch oder Segen. Wir haben es bewusst als Segen formuliert. Uns war wichtig, dass Thema aus ganz vielen Blickwinkeln zu betrachten und haben deshalb ein vielfältiges Programm zusammengestellt.

 

Prof. Ilona Nord von der Uni Würzburg wird in ihrem Vortrag „Blessed by AI? Künstliche Intelligenz und ihre Auswirkungen“ über die ethischen und gesellschaftlichen Fragestellungen, die KI mit sich bringt, sprechen.
Es geht um Chancen: Wir schaffen heute in kurzer Zeit das, wofür früher viele Menschen ewig gebraucht haben. Das ist eine schöne Geschichte – vor allem, weil das Wissen der Menschheit exponentiell gewachsen ist. Und da ist es cool, wenn uns die Technik hilft, den Überblick zu behalten.

Es geht um Risiken: Von Arbeitsplatzverlusten im Kleinen, von Berufszweigen, die vielleicht wegfallen könnten, bis hin zu den Dystopien einer Superintelligenz, die die Menschheit unterjocht oder Kriege beginnt. Und es geht auch um politische Fragestellungen, die damit einhergehen.

Eine große Auswahl an Workshops ermöglicht es den Teilnehmenden, sich mit bestimmten Aspekten vertieft zu beschäftigen wie zum Beispiel:

 

KI und Jugendarbeit

Daniel Seiler nimmt uns mit hinein ins Thema KI und Jugendarbeit. Wie verändert sich das medienpädagogische Arbeiten? Seine These: Es braucht eine eigene KI-Pädagogik, weil KI mehr ist als ein Medium, das nur vermittelt, sondern selbst Dinge hineinbringt, mit denen wir nicht rechnen.

 

KI – Trainingslager für den Alltag

Wie kann ich als Jugendreferent:in, oder Jugendleiter:in KI in meiner Arbeit nutzen? Mit vielen Rechnern bewältigen wir Aufgaben und schauen: Was kann ich mit der KI machen? Wie kann mir KI das Leben erleichtern und dadurch Zeit für Beziehungsarbeit schaffen?

 

KI und Nachhaltigkeit

KI verbraucht Unmengen an Strom und in der Produktion Unmengen an Rohstoffen. Wie könnte KI eine Chance werden für Nachhaltigkeit und Klimaschutz?

 

KI und religiöse Bildung

KI ist nicht nur ein Tool, sondern muss selbst auch Inhalt unserer Arbeit werden. Wie kann man in der Kindergruppe, auf der Freizeit, im Konfikurs mit jungen Menschen über KI ins Gespräch kommen? In diesem Workshop werden praktischen Methoden vorgestellt, die man danach direkt einsetzen kann.

 

KI – Maschinen-, Menschen- und Gottesbilder

Wird KI vielleicht gottähnliche Züge annehmen – und wie gehen wir damit um? Was passiert, wenn wir mit der KI sprechen, wie mit irgendeinem Wesen, das nicht immanent da ist, sondern irgendwie eine Transzendenz aufweist. Eine spannende theologische Reflexion.

 

KI – Deathboths

KI ist mittlerweile auch in der Lage, Verstorbene zu imitieren. Junge Menschen nutzen diese Möglichkeit, bei der von verstorbenen Familienmitgliedern eine digitale, künstliche Intelligenz-Kopie erstellt wird, mit der man reden kann. Wie gehen wir damit um?

 

In einem weiteren Workshop geht es um KI und Demokratiebildung.

Also ein großes Workshop-Programm. Doch soll auch genug Zeit bleiben zur Meinungsbildung, zum Austausch, zu Diskussion und Debatte.

 

Was ist euch als Konferenzteam besonders wichtig in der Auseinandersetzung mit dem Thema?

Frisches Wissen im Kopf, das auch neue Perspektiven aufmacht. Ein lustvolles Kribbeln in den Händen, das Thema anzupacken. Und aber vor allem ganz viel Motivation und Freude im Herzen, zu sagen: Wir sind da als Evangelische Jugend einfach gemeinsam unterwegs und gehen gestärkt raus.

 

Würdest du bitte folgende Sätze ergänzen: Die Konferenz ist ein Erfolg, wenn …

… wenn wir miteinander das Thema mutig anpacken und nicht warten, bis es uns überrollt, sondern aktiv gestalten. Das ist, glaube ich, das Wichtigste.

 

 Die Konferenz ist ein Erlebnis, wenn die Teilnehmenden sagen …

Ich fühle mich hier in der EJ wirklich wohl, bin top motiviert für das, was ich tue, und sehe den großen Sinn. Ich kann auf der Konferenz auch noch mal Energie und Inspiration auftanken. Das ist das, was entsteht – auf verschiedene Weisen: im Gottesdienst, in den Andachten, im Austausch, ganz persönlich, freundschaftlich getragen sein, aber auch fachlich zu sagen: Hey, ich bin da richtig, und ich werde unterstützt, und ich habe ein Netzwerk, und wir sind einfach ein cooler Haufen.

 

Diese Landeskonferenz wird die letzte sein. Ab 2027 gilt die Neuordnung der Evangelischen Jugend in Bayern – und das heißt ja auch Abschied nehmen. Abschied von vielen Jahren Landeskonferenz, von viel Gewachsenem – und gleichzeitig nach vorne blicken. Was nimmst du mit? Was wünschst du dir für die neuen Formate, und wie können die ab 2027 mit Leben gefüllt werden?

Das Wichtigste ist erst mal jetzt die Konferenz: Wir lassen es noch mal krachen. Das ist die Konferenz, so wie wir sie kennen, so wie wir sie schätzen – mit allem, was dazugehört: Vom turbulenten Check-in über die Kaffeerunden und guten Gespräche bis zum Versumpfen im Bierkeller, über Antragsdiskussionen, über Themen, über den Antragswahlausschuss und alles, was dazwischen organisiert und zu leisten ist. Das wollen wir noch mal gebührend feiern. Am Mittwochabend feiern wir das Abschiedsfest.

 

Für die zukünftige Landesversammlung wünsche ich mir Hauptberufliche und Ehrenamtliche, die zusammen Entscheidungen treffen. Ich wünsche mir, dass das die neue Struktur richtig zündet, dass es eine gute Diskussionskultur gibt und dass diese Begegnungsfläche dazu führt, dass wir bei allen Entscheidungen das Gefühl haben: Jawohl, das war eine echte EJ-Entscheidung aus der Perspektive der Hauptberuflichen, die fachlich langfristig denken, und die der Ehrenamtlichen, um die es ja eigentlich geht. Ich freue mich, wenn wir das Gefühl haben: Wir sprechen auf dieser Versammlung wirklich mit einer Stimme.

Das ist meine Hoffnung.

 

Ich wünsche mir für unsere neues Fortbildungsformat, dass viele kommen und dass wir damit auch den Teil der Konferenz am Leben erhalten, der zeigt: Wir sind zusammen unterwegs. Wir sind nicht nur kleine, versprengte Seminargrüppchen, sondern wir kommen auch mit vielen zusammen Ich wünsche mir, dass wir miteinander immer die richtigen Themen finden, die gerade angesagt sind.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview führte Ute  Markel, Onlineredakteurin

 

Grafik: Katja Pelzner