Leidenschaft, Glauben und Engagement

20 Jahre Nikolai Youth Church in Neuendettelsau

 

Neuendettelsau – Vor 20 Jahren wurde mit der Gründung der Nikolai Youth Church (NYC) in Neuendettelsau ein mutiger Schritt gewagt: Eine eigenständige Jugendkirche, getragen von der Vision, jungen Menschen Raum für Glauben, Gemeinschaft, Kreativität und Eigenverantwortung zu bieten. Heute, zwei Jahrzehnte später, ist NYC ein leuchtendes Beispiel dafür, wie kirchliche Jugendarbeit nicht nur Bestand haben, sondern regelrecht aufblühen kann.

 

Der Anfang – eine Idee wird zur Bewegung

Die Geburtsstunde der NYC schlug im Jahr 2005, als Jugendreferent Bernhard Ranz und Pfarrer Addi Manseicher ein durchdachtes Konzept ins Leben riefen. Nach dem Weggang von Ranz wurde die Jugendarbeit 2006 neu strukturiert: Mit viel Herzblut und entgegen der eigenen Biografie übernahm Andreas Güntzel mit 45 Jahren die Leitung der NYC.

 

Jugendgottesdienste mit Strahlkraft

Was im Jahr 2000 als kleines Format im Jugendzentrum begann, wurde schnell zu einem Leuchtturmprojekt: FIRE! – der Jugendgottesdienst, zunächst viermal jährlich, dann monatlich im Löhehaus, lockte immer mehr Jugendliche an. Die Platznot zwang im Jahr 2010 zum Umzug aus dem Löhehaus in die Kirche. 180 Besucher kamen zum Auftaktgottesdienst, später bis zu 300. Technik, Bänke und Raumstruktur wurden angepasst – mit Unterstützung des Kirchenvorstands und des Denkmalschutzes. Nach der Unterbrechung in der Coronazeit wird der Jugendgottesdienst unter dem Namen „recharge“ weitergeführt. Über 200 Jugendgottesdienste mit mehr als 20.000 Besuchern zeigen, welche Bedeutung Glaube und Gemeinschaft für junge Menschen haben kann.

 

Soziales Engagement – lokal und global

Auch diakonisch setzt NYC starke Zeichen: Sammelaktionen für Hilfstransporte, ein Brunnenprojekt in Benin (7.500 €), Hilfseinsatz beim Jahrhunderthochwasser an der Donau, Kinderbetreuung für Geflüchtete und Patenschaften für Kinder in Indonesien. Insgesamt wurden mehrere zehntausend Euro an Spenden und Kollekten für soziale Zwecke gesammelt – und zahlreiche Stunden freiwilliger Arbeit investiert.

 

Underground – Glauben (er)leben im Keller

2009 wurde der „Underground“ im Löhehaus ins Leben gerufen – ein jugendgemäßer Raum im Keller, ausgestaltet von den Jugendlichen selbst. Offen für alle Jugendliche ab der Konfirmation, stark in inhaltlicher Tiefe, getragen vom persönlichen Glauben: Schnell wuchs die Gruppe auf über 50 regelmäßige Besucher. Glaubens-Kurse, Freizeiten und Seelsorgeangebote rundeten das Programm ab.

 

Churchnight – Wenn 600 Jugendliche die Kirche füllen

Als Alternative zu Halloween wurde 2007 die erste „Churchnight“ gefeiert – mit überwältigendem Erfolg: 600 Jugendliche füllten die Kirche bis auf den letzten Platz. 2008 kam sogar der damalige Landesbischof. Heute gestalten 50 junge Ehrenamtliche das jährliche Event – ein echtes Highlight im kirchlichen Kalender.

 

Freizeiten – Gemeinschaft, die verbindet

Von der ersten Mitarbeiterfreizeit 2005 bis zu internationalen Sommerfreizeiten für Jugendliche entwickelte sich NYC auch im Bereich Erlebnispädagogik und Glaubensbildung stetig weiter. Die jährliche NYC-Mitarbeiterfreizeit mit mehr als 70 Teilnehmenden wurde zum festen Bestandteil und die einwöchige Jungscharfreizeit mit über 150 Kindern und Mitarbeitenden zur Herzensangelegenheit.

 

Finanzielle Unabhängigkeit – getragen von Vertrauen

Mit lediglich 100 € monatlicher Unterstützung der Kirchengemeinde musste NYC früh lernen, sich weitgehend selbst zu finanzieren. Dank großzügiger Spenden, Sponsorenläufe (z. B. 9000 € für neue Saalbestuhlung, 5000 € für den Kirchturm, 17.300 € für die neuen Jugendräume), Kollekten für Hilfsprojekte (bis zu 12.000 € jährlich) und kreativen Ideen wurde nicht nur die eigene Arbeit möglich, sondern Unterstützung für andere finanziert.

 

Technik, Bus & FSJ – Professionell aufgestellt

Über die Jahre wurde in professionelle Technik im Wert von über 45.000 € investiert – komplett eigenfinanziert. Seit 2010 besitzt NYC einen eigenen Jugendbus, der durch Sponsoren finanziert wird.

2010 wurde auch die erste FSJ-Stelle eingerichtet, um jungen Menschen Teilhabe und Profilierung zu ermöglichen. In Spitzenzeiten waren drei FSJler gleichzeitig im Einsatz – nicht nur in der NYC, sondern auch in umliegenden Gemeinden. Bis heute sind es 14 Freiwillige, die wichtige Erfahrungen sammeln und die Jugendarbeit bereichern konnten.

 

Jugendleiterstelle – Zukunft im Blick

Aufgrund von Umstrukturierungen im Dekanat konnte die Jugendleiterstelle ab 2018 nicht mehr über den Landesstellenplan finanziert werden. Der damalige Jugendreferent Andreas Güntzel initiierte daraufhin eine eigenfinanzierte Jugendleiterstelle – teils spendenfinanziert, teils über Zuschüsse getragen. Dank kluger Planung und großem Vertrauen ist neben dem spendenfinanzierten Anteil seit 2024 eine halbe Stelle wieder offiziell im Landesstellenplan verankert – ein starkes Zeichen für die Nachhaltigkeit dieser Arbeit. 2018 übernahm der ehemalige FSJler und zum Jugendreferenten ausgebildete Alfred Heß die Stelle. Nach seinem Weggang im Jahr 2022 wurde Heß von Samuel Horn, der selbst in der NYC-Arbeit herangewachsen ist, abgelöst.

 

Ein Gewinn für die Kirche

Aus der Jugendkirche in Neuendettelsau sind sechs Pfarrer:nnen, drei Religionspädagog:nnen und acht Jugendreferent:nnen hervorgegangen.

 

Fazit: NYC ist mehr als nur ein Ort – sie ist Bewegung, Heimat, Glaubensraum

Was vor 20 Jahren als mutiger Aufbruch begann, ist heute fest etabliert und nicht mehr wegzudenken – nicht nur in Neuendettelsau, sondern im gesamten Dekanat. NYC steht für kreative, gelebte und glaubensstarke Jugendarbeit, getragen von einem engagierten Team, einer starken Gemeinschaft und einer klaren Vision.

 

20 Jahre NYC – das sind 20 Jahre voller Herz, Innovation und Glaube. Ein Grund zum Feiern. Und zum Weiterträumen.

 

Andreas Güntzel
Gemeindereferent, Neuendettelsau

 

Bildnachweis: Nikolai Youth Church