„Loslassen – Bleiben oder gehen? Wenn Aufhören der Anfang ist“

EJB blickt in neuer zett-Ausgabe auf Abschiede und Aufbrüche

Ein Umzug, das Ende einer Beziehung, der Abschied aus dem Ehrenamt oder von einer vertrauten Struktur: Loslassen gehört zum Leben – und fällt fast immer schwer. Die neue Ausgabe der zett – Zeitung für evangelische Jugendarbeit in Bayern nimmt dieses Spannungsfeld zum Titelthema und fragt: Wann ist Aufhören der Anfang von etwas Neuem? Zu Wort kommen dabei auch prominente Stimmen aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB). „Manchmal ist Loslassen ein Akt weit größerer Stärke als Verteidigen oder Festhalten“, beschreibt Tanja Keller, Präsidentin der Landessynode der ELKB, im Eröffnungsbeitrag der Ausgabe ihre eigene Erfahrung. Die gebürtige Hamburgerin erzählt darin, wie sie mit 21 Jahren ihr Elternhaus verließ, um in Berlin zu studieren, wie sie später nach München zog und dort trotz „Kulturschock“ ihren Weg fand – bis hin zur Entscheidung, sich für das Präsidentenamt der Landessynode zur Wahl zu stellen. Ihr Fazit: Erst wer bereit ist, Altes loszulassen, schafft Raum für das, was wirklich zu einem passt.

Die zett zeigt: Loslassen ist mehr als ein persönliches Thema, es betrifft Beziehungen, Berufe und ganze Organisationen gleichermaßen. Der ehemalige Nürnberger Bürgermeister Christian Vogel schildert, warum ihm die Entscheidung, nach zwölf Jahren im Amt aufzuhören, trotz aller Wehmut „goldrichtig“ erschien. Wissenschaftlich und spirituell eingeordnet wird das Thema durch Prof. Katrin Valentin von der Evangelischen Hochschule Nürnberg, die Loslassen als Grundbedingung gesellschaftlicher Transformation beschreibt, sowie durch Landesjugendpfarrer Tobias Fritsche, der in einem geistlichen Impuls daran erinnert, dass in der Bibel auf viele Abschiede ein Neuanfang folgt. Weitere Beiträge widmen sich Modellen der Trauerverarbeitung, dem Umgang mit Veränderung in Teams sowie – augenzwinkernd – Anekdoten aus mehr als 90 Jahren Amt für evangelische Jugendarbeit.


74 Jahre Landesjugendkonvent: Ein Abschied als konkretes Beispiel

Wie sehr Loslassen und Aufbruch zusammengehören, macht die Ausgabe an einem sehr konkreten Beispiel aus der eigenen Verbandsgeschichte fest: dem Landesjugendkonvent. Seit der ersten gemeinsamen Vollversammlung 1952 war er 74 Mal das zentrale Gremium, in dem ehrenamtliche Delegierte aus ganz Bayern über Demokratie, Beteiligung, Gemeinschaft und Glauben berieten – von frühen Protesten gegen Massenvernichtungsmittel über die Sondervollversammlung 1983 vor der Ulmer Kaserne bis zum Positionspapier gegen Rechtsextremismus 2008. Im Mai 2026 tagte der Landesjugendkonvent unter dem Titel „What would jesus* do? Kirche und Krawall“ in Pappenheim zum letzten Mal in dieser Form. „Bei aller Zuversicht auf mehr Kommunikation, Partizipation und Wir-Gefühl ist es wichtig, diese Trauer um das Bisherige anzuerkennen. Sie ist da und sie ist real“, beschreibt Malte Scholz, Vorsitzender der Landesjugendkammer der EJB, in der zett den Umbruch. Im Zuge des EJB-Prozesses löst zum 1. Januar 2027 eine neue Satzung die bisherige Ordnung der Evangelischen Jugend in Bayern ab. Die bisherigen Gremienstrukturen – Landesjugendkonvent, Landeskonferenz der Hauptberuflichen und Landesjugendkammer – werden durch eine gemeinsame Landesversammlung abgelöst. Für die zett-Redaktion ist die Geschichte des Landesjugendkonvents damit auch ein Lehrstück dafür, was die aktuelle Ausgabe insgesamt umtreibt: Abschied bedeutet nicht, dass alles umsonst war – sondern schafft Platz für Neues.


Weitere Informationen

Die zett erscheint dreimal im Jahr und richtet sich an Haupt- und Ehrenamtliche in der evangelischen Jugendarbeit. Die nächste Ausgabe erscheint im Dezember 2026 und widmet sich dem Thema „Hoffnung“. Die zett kann online gelesen werden: www.zett.ejb.de