Veränderungsprozesse in der Jugendarbeit gestalten
Kirchenkreiskonferenz München – Teilnehmende schreiben „Trauerreden“ auf die Kirchenkreiskonferenz
Wie können Veränderungsprozesse in der Jugendarbeit gut gestaltet werden? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Herbstkonferenz des Kirchenkreises München. Neben grundsätzlichen Fragen, die sich vor allem um den aktuell stattfindenden EJB-Prozess drehten, wurden auch Methoden erprobt. Als Beispiel diente dabei die bevorstehende Veränderung auf Kirchenkreis-/Bezirksebene.
Wichtig war den Teilnehmenden, der emotionalen Komponente von Veränderungsprozessen Raum zu geben und einen Ort zu haben, Bisheriges zu würdigen. In 3er-Gruppen schrieben die Delegierten Trauerreden für die Kirchenkreiskonferenz und hielten sie anschließend. Die Reden machen deutlich, was zurückgelassen wird, aber auch welche Schätze in künftige Arbeitsformen Einzug halten könnten.
Axel Pfeiffer
Kirchenkreisbeauftragter
Die Trauerreden der Delegierten auf die Kirchenkreiskonferenz
Liebe Gemeinde,
wir haben uns heute hier versammelt, um Abschied zu nehmen. Abschied von der Kirchenkreiskonferenz München/Oberbayern, die seit 1994 so viele Menschen zusammengebracht und geprägt hat. Auch wenn hier niemand schon so lange dabei ist, haben wir doch einiges mit ihr erlebt: Wilde Diskussionen über den Nacho-Antrag, viel Schabernack, Floßbau-Workshops, schlaflose Nächte, Rutschpartien über Schnee und Eis, viel Deep Talk, Neuschöpfung von Parteien und vor allem das Gefühl, zu etwas Größerem zu gehören. KiKK, du hast uns über Jahre zusammengebracht und dafür sind wir dir sehr dankbar.
Doch Abschied nehmen heißt nicht vergessen, denn obwohl die KiKK jetzt gehen muss, lebt die Erinnerung in jeder Freundschaft und Verbindung zwischen uns weiter.
Sehr geehrte Trauer-Gesellschaft,
heute trauern wir um unsere Jahrzehnte lange Begleiterin. Nach einem langen Kampf hat sie nun diese Welt verlassen.
Die Kikk ist tot. Wir kannten sie kaum. Doch war es eine kurze aber schöne Zeit mit ihr. Sie konnte Menschen verbinden und zum Lachen bringen. Besonders werden wir wohl ihre Mitternachtsnachos vermissen. Niemand konnte so unglaubliche Nachos zaubern wie sie. Die Kikk konnte gut bis tief in die Nacht feiern oder einfach nur in Gesprächen versinken.
Man konnte immer zu ihr kommen, wenn man Probleme hatte. Sie konnte Menschen begeistern und Fremde zu Freunden machen.
Nach deiner Reise quer durch Oberbayern bist du an einem besseren Ort.
Wir werden dich vermissen und dein Vermächtnis weiter führen.
Liebe Ehrenamtliche, Hauptamtliche und Angehörige der KiKK,
wir alle sind zutiefst erschüttert. Die KiKK hat eine Ära voller schlafloser Wochenenden, des Weins aus Tassen trinken und des gemeinsamen Nachoverkostens beendet.
Doch anstatt in Trauer und Selbstmitleid zu versinken, denken wir zurück.
Zurück an alle lustigen und dramatischen Anfahrtserlebnisse. Es wurden Leitplanken & Windschutzscheiben zerstört, Ewigkeiten nach Schlüsseln gesucht und über die Pünktlichkeit der verantwortlichen Personen reden wir gar nicht erst.
Doch trotz manch steinigem Weg über Hügel und Berge, Schotterwege, bis hin in Täler fanden wir uns immer zusammen.
Gemeinsam mit neuen und alten Gesichtern. Ganz egal, wie und wer du bist, willkommen warst du immer.
Die KiKK hat stets eine offene Gemeinschaft mit fröhlichen und engagierten Personen geboten. Wenn du mal den Anschlusszug verpasst hast, war es nicht so schlimm, denn Anschluss konntest du bei der KiKK immer finden.
Einige von euch kennen die KiKK noch unter einem anderem Namen. Doch der Name KKK wurde aus unerklärlichen Gründen gemeinsam abgeschafft.
Austausch und Offenheit waren das A und O.
Allerdings gehörten zu den Grundpfeilern der KiKK auch spontane Aktionen wie Eisbaden in Traunstein, Klosterwanderung am Ammersee, Krankenhausaufenthalte.
Nun nehmen wir Abschied. Lasst uns die Nachos erheben und gemeinsam in den Dip stecken. Auf die KiKK!
Nach vielen kleinen Autoverschönerungen bist du auf der Strecke liegen geblieben. Dein Motor wird nie wieder starten. Ach was hast du uns alles gegeben?
Erst warst du KKK dann KiKK, mal warst du musikalisch, mal spaßig, mal sportlich, mal brandgefährlich, mal stürmisch auf hoher See, mal politisch, mal draußen, mal ein Rettungsweg, mal voneinander lernend, mal online, mal maskiert und immer rotierend.
- Wo soll Axel jetzt nur all seine Spiele spielen?
- Wo werden wir neue Freunde finden?
- Wo können wir uns jetzt vernetzen und über Gott und die Welt austauschen?
- Wir werden deinen Spaß vermissen!
- Wir können uns ohne dich nicht mehr wiedersehen!
- Eine Gemeinschaft fast wie ein Zuhause ist uns verloren gegangen!
- Mit wem trinken wir jetzt Glühwein am Tollwood?
- Wo sollen wir jetzt Schneeketten-Sharing betreiben?
- Wo erfahren wir jetzt die neuesten Tricks zur Autoverschönerung?
- Wo kocht die geilste Küche?
- Ist der Nacho-Beauftragte jetzt arbeitslos?
- Wo lernen wir jetzt neue Spiele, Methoden und die besten Tänze voneinander?
- Wo treiben wir jetzt unseren nächtlichen Schabernack?
- Mit wem führen wir Deeptalk einfach nebenbei?
- Wo ist eigentlich Weilheim?
Wo sind wir miteinander, gemeinsam EJ?
Liebe Trauergemeinde,
leider ist der Zeitpunkt gekommen, um sich von der KiKK zu verabschieden. Alle die, die die KiKK kennenlernen durften, werden mir zustimmen, dass wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die gemeinsame Zeit zurückblicken. Zwar wusste man nie, wen man durch sie alles kennenlernen würde, aber man sich sich sicher sein, dass es Menschen waren, die Bock hatten auf ein tolles Wochenende mit Fortbildung und tollen Spielen – Menschen, mit denen man sowohl witzige als auch tiefgründige Gespräche führen konnte.
Was wir auf jeden Fall vermissen werden, sind die fantastischen Geräusche aus der Küche, bei denen man nie so genau wusste, welche Katastrophen da neben leckerem Essen noch so fabriziert wurden.
Eine Abweichung vom Zeitplan war für die KiKK nie ein Problem und es bescherte uns immer einen riesen Rätselspaß herauszufinden, wer den gerade die Tagesleitung hat.
Bleibt nur noch zu fragen: Wodurch werden wir uns immer an die KiKK erinnern können? – Durch die Nachos um Mitternacht!
Liebe hier anwesenden Mitmenschen, liebe Freunde und liebe Freunde, die schnell zu einer Art Familie wurden,
ich danke für Euer zahlreiches Erscheinen. Wir haben uns hier heute versammelt, um uns von der KiKK zu verabschieden. Unsere Herzen sind traurig und unsere Gemüter schwer.
Sie war eine langjährige Wegbegleiterin, die den Rücken der Dekanate freigehalten und gestärkt hat und bei den Zusammenschlüssen, Auflösungen, Konflikten und Neuerungen stets Kommunikation- und Austauschplattform war.
Zweimal jährlich trafen sich lang bekannte und neu gesandte Delegierte und Gäste der verschiedensten Dekanate Oberbayerns, um ein Wochenende voller Gemeinschaft, Spiritualität, sportlichen, kreativen Fortbildungen sowie theoretischen und praktischen Inhalten zu erleben. Letzteres konnte sich durch den Informationsaustausch entwickeln und in dekanatsweite Kreise fortgetragen werden.
Besondere Highlights waren die Nacho-Nächte, gemeinsames Autoanschieben, das aufgrund fehlender Winterreifen feststeckte, nächtliche Wanderung zum Kloster Andechs, gemeinsame Fahrradtouren, Befahren von Seen mit Flößen während eines Sturms, das Aufstellen von Delegationen in den Bezirksjugendring und das Schließen von Kooperationen für Freizeiten, Sportwettbewerbe, politische Paraden und Demonstrationen. Alle, die die KiKK besuchten, fühlten sich schnell aufgenommen und akzeptiert.
Erlaubt euch einen Blick nach links und nach rechts. Überall dort seht ihr Menschen, die ihr dank der KiKK kennengelernt habt. Durch diese Bekanntschaften ist viel entstanden, beispielsweise der Tollwut-Besuch als gemeinsame Gruppe Durch unsere Chefköche und das Küchenteam wurden wir stets wunderbar bekocht.
Doch statt traurig in Erinnerungen zu schwelgen, sollten wir froh und dankbar für die KiKK sein und sie in unserem Herzen weitertragen.
So steht die KiKK als die Grundlage alles Neuen. Das hier ist nicht das Ende, sondern der Anfang von etwas Neuem, das mit dieser Gemeinschaft und Zusammenarbeit rosige Aussichten hat.
Foto: A. Pfeiffer