Warum ich ausgestiegen bin

Warum Ehrenamtliche sich nicht mehr engagieren – Interviews

 

Patricia, Friederike und Jennifer engagierten sich in Dekanat und Kirchengemeinde. Sie haben vor kurzem oder auch schon etwas länger her, ihr jahrelanges Engagement niedergelegt. In kurzen Interviews geben die jungen Menschen einen persönlichen Einblick und verraten, warum sie „ausgestiegen“ sind.

 

Mein Name ist Patricia, ich bin 24 und befinde mich am Anfang meines Doktorats in Klimaphysik.

In welchem Kontext hast du ehrenamtliche Jugendarbeit gemacht?

Ich habe nach meiner Konfirmation als Konfi-Teamerin in der Gemeinde mit Jugendarbeit angefangen und bin dadurch dann auf Dekanatsebene zur Evangelischen Jugend gekommen. Dort habe ich dann in Gremien wie der Kammer und dem Leitenden Kreis mitgewirkt.  Konfiarbeit habe ich mit 14 begonnen und dann mit 19/20 vollständig aufgehört also war ich ca. fünf Jahre sehr aktiv dabei. In den Gremien auf Dekanatsebene war ich ca. zwei Jahre aktiv involviert.

Warum hast du aufgehört?

Der Hauptgrund, wieso ich mit der Jugendarbeit aufgehört habe, ist, dass ich für mein Studium mit 18 ins Ausland (Schottland) gegangen bin und seitdem (also seit insgesamt nun fast 7 Jahren) auch im Ausland geblieben bin. Um aktiv in der Jugendarbeit involviert sein zu können – zumindest auf dem Level und in den Gremien, in denen ich mitgewirkt habe – muss man vor Ort sein. Dadurch, dass ich ins entferntere Ausland gezogen war, konnte ich einfach nicht mehr für ein Wochenende oder ein Meeting am Abend zurück nachhause kommen, und zu der Zeit, als ich aufgehört habe, waren hybride Meetings auch noch nicht wirklich aktuell in der Jugendarbeit. Ich habe also nur aus praktischen Gründen die Jugendarbeit zuhause aufgehört – als ich die Möglichkeit hatte, 2024 nochmal für eine Sommerfreizeit als Teamerin mitzufahren, habe ich die Chance allerdings sofort ergriffen!

Ich muss dazu sagen, dass mir die Arbeit in Gremien in der Evangelischen Jugend sehr viel Spaß gemacht hat, und ich mich danach auch im Studium viel in Gremien anderer Art (Studentische Repräsentation, Vereine) eingebracht habe. Die Zeit in der Evangelischen Jugend hat mir dabei schon früh sehr viel gelehrt was die ganze Organisation und Planung hinter großen Events angeht, und natürlich die Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten. Jugendarbeit hat mir immer sehr viel Spaß gemacht und mich als Jugendliche und junge Erwachsene sehr viel gelehrt, was ich auch später in anderen Lebenssituationen anwenden konnte. Ich hätte damals sehr gerne auch noch weitergemacht. Heute sind wir wohl mehr im Zeitalter der Technik angekommen, sodass man nicht für alle Gremien (wie beispielsweise Kammersitzungen) immer auch vor Ort sein muss. Das finde ich sehr schön.

 

Hallo, ich bin Friedi, 19 Jahre alt und studiere mittlerweile im 2. Semester Humanmedizin in Regensburg. Vor anderthalb Jahren bin ich für mein FSJ hierher gezogen – damals noch ohne zu wissen, wo es für mich hingeht.

In welchem Kontext hast du ehrenamtliche Jugendarbeit gemacht?

So richtig angefangen hat es mit der Jugendarbeit kurz nach meiner Konfirmation. Ich wollte Konfiteamerin werden und kam über den Jugendleitergrundkurs erstmals in Kontakt mit der EJ Passau. Nach dem Grundkurs war ich ziemlich begeistert und wollte auch selbst Teil dieser Gemeinschaft sein. Neben meiner Tätigkeit als Konfiteamerin habe ich mich also auch bald auf Dekanatsebene eingebracht und wurde im Herbst 2022 in den Leitenden Kreis gewählt. Nebenbei habe ich angefangen in der „YouGo-Band“, einer Band aus größtenteils Jugendlichen für Jugendgottesdienste, Gitarre zu spielen und später zu singen.  Konfiteamerin war ich insgesamt fast vier Jahre, im Leitenden Kreis und der YouGo-Band drei.

Warum hast du aufgehört?

Insgesamt kann ich gar nicht DEN einen Grund nennen, da gab es viele Dinge. Zum einen habe ich nach meinem Umzug nach Regensburg natürlich deutlich weniger Kontakt zu meiner Heimatgemeinde in Eggenfelden. Auch wegen meinem damals anstehenden Abitur habe ich mich schon vor meinem Umzug Schritt für Schritt aus der Konfirmandenarbeit zurückgezogen. Danach blieb mir noch das Engagement im Leitenden Kreis und der YouGo-Band. Mit Beginn meines FSJs habe ich bald gemerkt, dass das Ehrenamt in meinem Alltag so viel Zeit wegnimmt, dass ich fast keine Zeit mehr für Freunde oder andere Bekanntschaften in Regensburg hatte. Die langen Fahrtwege nach Eggenfelden und Passau haben es immer schwieriger gemacht, weiter am Ball zu bleiben.

Gegen Ende meines FSJs war ich in vielen Wochen über 20h mit ehrenamtlicher Arbeit und Anfahrt beschäftigt. Zudem hatte ich das Gefühl, dass im Leitenden Kreis die Arbeit an einigen wenigen hängenbleibt und immer zeitaufwändiger wird. Als ich mich dann im Sommer für mein Medizinstudium entschieden habe, war mir klar, dass das nicht mehr miteinander vereinbar ist. Zum Studienbeginn habe ich deshalb den Großteil meines ehrenamtlichen Engagements niedergelegt.

 

Jennifer, 20 Jahre alt, Thyrnau, Berufspraktikum als Erzieherin in den Donauhof-Werkstätten für Menschen mit Behinderung

In welchem Kontext hast du ehrenamtliche Jugendarbeit gemacht?
Ich habe 2 Jahre im Konfiteam in meiner Gemeinde gearbeitet und bin im Moment noch Delegierte der EJ in den Kreisjungendring.

Warum hast du aufgehört?

Unser Pfarrer ist für mich sehr unangekündigt gegangen, er war für mich immer eine sehr zentrale Person im Ehrenamt. Zu dem Zeitpunkt war leider noch nicht klar, wer nachfolgen wird. Außerdem sind mir in Freizeiten öfter Situationen aufgefallen, in denen ich mir mehr Unterstützung gewünscht hätte. Daher hat es für mich nicht mehr ganz gepasst mich ehrenamtlich zu engagiert.

 

Die Interviews führte Pauline Otte, Ehrenamtliche im Leitenden Kreis des Landesjugendkonvents und Mitglied im zett-Beirat

 

Fotos im Text: privat
Foto oben: pixabay/vilkasss-hands-9982496