Zwischen Aktivismus und Resignation

Warum engagieren sich Jugendliche – oder nicht?

 

Jugendliches Engagement ist ein zentraler Baustein kirchlicher Arbeit.  In der evangelischen Jugendarbeit erleben wir, wie junge Menschen sich mit Leidenschaft einbringen. Doch warum engagieren sich manche Jugendliche intensiv, während andere sich zurückziehen?

 

Engagement entsteht dort, wo Jugendliche sich gesehen und gehört fühlen. 

Aktuelle Studien und Stimmen zeigen: Engagement entsteht dort, wo Jugendliche sich gesehen und gehört fühlen. Besonders Themen wie Klimagerechtigkeit, Diversität und soziale Verantwortung sprechen junge Menschen an – oft auch aus einer spirituellen Haltung heraus.

 

„Glück wächst, wenn man sich ehrenamtlich einbringt.“

Barbara Gruß, Ehrenamtsreferentin der „Wirkstatt evangelisch“, bringt es auf den Punkt: „Glück wächst, wenn man sich ehrenamtlich einbringt.“ Ehrenamt stiftet Sinn, Gemeinschaft und persönliche Entwicklung – gerade für junge Menschen, die nach Orientierung und Zugehörigkeit suchen. Die evangelische Kirche kann hier ein Ort sein, an dem Jugendliche ihre Fähigkeiten entdecken und erleben, dass ihr Engagement Wirkung zeigt.

 

Doch es gibt auch Barrieren: Zeitdruck durch Schule und Ausbildung, fehlende Orientierung und die Erfahrung, dass Engagement „nichts bringt“. Viele Jugendliche erleben gesellschaftliche und politische Prozesse als träge oder intransparent. Das kann zu Frust und Rückzug führen – auch in kirchlichen Kontexten.

 

Zwischen Aktivismus und Resignation

 Während einige sich lautstark für ihre Überzeugungen einsetzen, etwa bei „Fridays for Future“, sind andere skeptisch gegenüber klassischen Beteiligungsformen. Ehrenamtliches Engagement braucht deshalb neue Zugänge: niedrigschwellige Formate, digitale Beteiligung und eine Kultur, die Fehler und Zweifel zulässt.

Dies bedeutet, dass Jugendliche ernsthaft in die Prozesse der Planung und Gestaltung einbezogen werden müssen. Wer als „Feigenblatt“ oder zur Quotenerfüllung herhalten muss, wer als „Helfer:in“ behan­delt wird, springt ab.

 

Wir müssen Räume schaffen, in denen Jugendliche mitgestalten.

Für die evangelische Jugendarbeit heißt das: Wir müssen Räume schaffen, in denen Jugendliche mitgestalten. Beteiligung darf nicht punktuell geschehen, sondern muss strukturell verankert sein. Wenn junge Menschen erleben, dass ihr Engagement Wirkung zeigt – in der Gemeinde, im Kirchenkreis oder darüber hinaus – entsteht Vertrauen. Und aus Vertrauen wächst Verantwortung.

 

Sabine Otterstätter-Schmidt
Referentin #ehrenamt #ejb

 

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 4/2024 der zett [die Zeitung für evangelische Jugendarbeit in Bayern] erschienen.
Alle Ausgaben der zett stehen online zur Verfügung:  zett.ejb.de

 

Foto oben: Jonas Huber