Zwischen Gänsen, Gruppen und großen Fragen

Moritz Thorn aus Möhrendorf spricht über sein Freiwilliges Ökologisches Jahr an der Energie- und Umweltstation Nürnberg

 

Wenn Moritz morgens über den Steg am Wöhrder See zur Energie- und Umweltstation geht, ist das wie ein kurzer Übergang in eine andere Welt. Hinter ihm das lärmende Nürnberg. Vor ihm ein ruhiger Naturraum mitten in der Stadt. „Das ist immer ganz schön, so eine Abwechslung vom Bahnhof, wo es wuselig ist und nicht gut riecht. Und dann kommt man hierher, sieht die Gänse, hört das Wasser – das ist ein entspannter Moment vor dem Trubel mit den Schulklassen.“ Ein Jahr lang war dieser Ort für Moritz Arbeitswelt, Lernort – und manchmal Wohnzimmer. Der 19-Jährige hat 2024 sein FÖJ, das Freiwillige Ökologische Jahr, an der Energie- und Umweltstation Nürnberg gemacht. Ein Jahr, das ihn geprägt hat – und das er jungen Menschen uneingeschränkt empfehlen würde.

„Ich wollte mal auf der anderen Seite stehen. “

Nach dem Abitur stand für Moritz schnell fest: ein Jahr Uni direkt im Anschluss? Nein danke. „Ich wollte nicht gleich wieder weiterlernen wie in der Schule. Ich wollte was anderes machen – arbeiten, gestalten, erleben.“ Dass es das FÖJ wurde, verdankt er eher seiner Mutter. „Ich wusste gar nicht, dass es das gibt. Aber dann habe ich die Energie- und Umweltstation gefunden, mich beworben – und schnell war klar: Das ist es.“ Schon früh übernahm er Verantwortung. Morgens begrüßte er Schulklassen, half beim Planen von Programmen, betreute Gruppen – manchmal auch allein. „Ich fand es total spannend, diesen Rollenwechsel zu erleben. Vom Schüler zum Anleiter. Und dann zu merken: Die Kinder hören dir wirklich zu. Sie stellen Fragen, wollen mehr wissen. Das war schon besonders.“

 

Räume öffnen – für andere und sich selbst

Cordula Jeschor, die Leiterin der Energie- und Umweltstation in Trägerschaft der Stadt Nürnberg, begleitet FÖJler:innen seit vielen Jahren. Sie weiß, was in diesem einen Jahr alles passieren kann: „Die jungen Leute sind zu Beginn des FÖJ oft noch eher schüchtern bzw. zurückhaltend. Und dann wachsen sie über sich hinaus. Sie betreuen Gruppen, organisieren Projekte, entwickeln eigene Ideen. Man merkt regelrecht, wie sie aufblühen.“ Auch Moritz hat diesen Wandel erlebt – und reflektiert. „Ich hätte nie gedacht, dass ich so gut auf Menschen zugehen kann. Aber hier habe ich das gelernt – und auch, dass das Spaß machen kann.“

 

Wandel beginnt mit Fragen

Wandel war für Moritz ein Schlüsselwort seines FÖJ. „Es geht darum, bestehende Strukturen zu hinterfragen und aktiv etwas zu verändern.“ Besonders geprägt hat ihn das Gespräch mit Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler), zu dem er als FÖJ-Sprecher eingeladen war. „Wir wollten gehört werden. Aber manchmal hatte ich das Gefühl: Gehört ja – verstanden nein.“ Was er dort ansprach, klingt nach mehr als jugendlichem Idealismus: „Wir haben das Privileg, hier zu sein. Aber unsere Sorgen gelten auch denen, die nicht so privilegiert sind. Klimaschutz ist keine Einzelverantwortung. Es braucht auch politische und wirtschaftliche Veränderung.“

 

Emotion schlägt Fakten

Wie erreicht man bei Kindern und Jugendlichen ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit? Moritz hat eine klare Haltung: „Nur mit Fakten erreicht man niemanden. Es braucht Emotion. Es muss Spaß machen, draußen zu sein, zu lernen, die Natur zu erleben.“ Und Cordula Jeschor ergänzt: „Wir arbeiten mit Kopf, Herz und Hand. Unsere Programme sind nicht frontal, sondern experimentell, kreativ, werteorientiert. Und oft sind es die kleinen Aha-Momente, die bleiben.“ Wie beispielsweise bei einem Jungen, der mit der Klasse kam – und dann mehrfach zum Ferienprogramm zurückkehrte, weil er „nicht genug kriegen konnte“.

 

Energie- und Umweltstation– und KI-Moritz

Für Cordula Jeschor ist die Umweltstation „ein bisschen wie ein Bienenstock“, in dem es auf jeden Einzelnen ankommt: Jede und jeder mit einer Aufgabe, alle wichtig für das Ganze. „Und Moritz war da eine echte Bereicherung“, sagt sie. „Er hat mitgedacht, diskutiert, Impulse gesetzt – KI in unsere Arbeit gebracht. Deshalb nennen wir ihn intern auch KI-Moritz.“ Das passt auch zu seiner Zukunft: Moritz beginnt in Aachen ein Studium der Luft- und Raumfahrttechnik. Klingt nach Bruch? Nicht für ihn. „Ich will die Zukunft mitgestalten. Vielleicht nicht in der Umweltbildung – aber hoffentlich mit einem Beitrag für mehr Nachhaltigkeit in der Technik.“ Cordula Jeschor ist überzeugt: „Egal, wohin es ihn verschlägt – dieses Jahr wird ihn begleiten. So wie es viele junge Menschen geprägt hat, die hier waren.“

 

Patrick Wolf
Referent #ejb #kommunikation

 

Foto: P. Wolf